Fußball: Entstehung und Verbreitung
Die Sportart Fußball in ihrer heutigen, modernen und verregelten Form entstand im England des 19. Jahrhundert.
Die Spuren der ersten Ursprünge gehen bis ins 10. Jahrhundert zurück. Fußball fand seinen Weg zunächst über wilde und brutale Spiele in den Dörfern, dennoch hatte diese ursprüngliche Form wenig mit dem heutigen Fußball zu tun. Die Regeln waren Gewohnheitsregeln und variierten von Dorf zu Dorf bzw. von Region zu Region.
Die Spiellänge war unterschiedlich und konnte sogar den ganzen Tag dauern, wobei im Laufe des Spiels nicht selten Verletzte oder sogar Tote beklagt werden mussten.
Mitte des 19. Jahrhunderts fand der Fußball Eingang in die englischen „Public Schools“
Zuerst nahmen sich nur die Söhne
der Adeligen und aufstrebenden Bürger dem Spiel an, bald jedoch entdeckten die
Lehrer Ballspiele als Möglichkeit der Charakterbildung. Die „Public Schools“,
die etwas auf sich hielten, veröffentlichten ihr eigenes Regelwerk.
1863 wurde die „Football Association“ (FA) gegründet, deren Ziel es war ein einheitliches Regelwerk zu schaffen, und vor allen Dingen unnötige Gewalt unter Strafe zu stellen.
1871 begann der Siegeszug des modernen Fußball durch die Einführung eines landesweiten Pokalwettbewerbes in England, den FA-Cup.

1878 entstand in Hannover der erste Fußballverein in Deutschland mit dem Namen FC Hannover. Im Jahre 1900 wurde der Deutsche Fußballbund (kurz DFB) gegründet.
Heute ist der DFB der mitgliederstärkste und reichste Fußballverband der Welt.
Vor dem 1. Weltkrieg war der Fußball noch den elitären Schichten der Bevölkerung vorenthalten, Arbeiter hatten einerseits nicht genügend Freizeit um diesen Sport auszuüben und auf der anderen Seite auch nicht die finanziellen Mittel.
Nach dem 1. Weltkrieg, besonders in der Weimarer Republik, stieg die Begeisterung für Sport allgemein und besonders der Fußball entwickelte sich zum Massenphänomen. Arbeiterschaft, Bürgertum und Intellektuelle sahen allesamt im Fußball Ablenkung, Zeitvertreib und auch ein neues Lebensgefühl.
Bis 1924 wuchs die Mitgliederzahl des DFB auf 750.000 und überschritt 1932 erstmals die Millionengrenze, Fußball faszinierte alle Milieus.
Im Jahre 1925 fand das erste Länderspiel überhaupt in Deutschland statt. Deutschland und Holland standen sich gegenüber, doch das Spiel wurde schon damals von massiven Zuschauerausschreitungen überschattet, wie es heute auch noch oft der Fall ist.
Fußball wurde im DFB-Jahrbuch wie folgt beschrieben: „Fußball kenne keine weibische Weichlichkeit, kein ängstliches Zagen, keine Empfindelei“ und so wurden die Regeln zu der Zeit größtenteils schlicht missachtet.
Fußball sollte den Gemeinschaftssinn, die Kameradschaftlichkeit, Ritterlichkeit und die Intelligenz fördern, doch die Realität sah anders aus und bewies immer wieder das
Gegenteil: Brutalitäten, Schlägereien, gemeine Handlungen, Geschäftsmachenschaften im Sport usw.
Kurt Tucholsky analysierte diese Symbiose bereits 1920 in seinem Essay „Soldatensport“:
„Es ist ein Spiel geworden, was einmal blutige Notwendigkeit gewesen sein mag. Ein Sport.
Ein nutzloser, steuerverschlingender Sport. Als das Heer zerschlagen war und die Entente die Aufstellung eines neuen Verbot, da erfanden sie einen inneren Feind, und wo keiner war, da machten sie einen.“
Im Jahre 1927 existierten über 500 Sportzeitungen in Deutschland und es bildeten sich bei Journalisten genau jene Stereotypen aus, die den deutschen Fußball auch heute noch beschreiben. Kampfkraft, Athletik, Disziplin und gesunde Härte.